Caminho Portugues 2011 Tag 19+20

Tag:  19 und 20,    05. und 06.06.2011, Fisterra,  Kap Finisterre,

Nun habe ich noch viel Zeit. Könnte heute zum Beispiel einen Fußmarsch nach Muxia immer an der Küste lang machen.
Aber erstens habe ich keine Lust mehr auf alleinige Wanderung und außerdem fängt der Morgen sehr wolkenverhangen und trübe an. Wir hatten ja immer viel Glück mit dem Wetter. Ich denke an die heute ankommenden Pilger, bei den teilweise steilen Abstiegen auf rutschigen Wegen sicher nicht sehr angenehm. Es hat stark angefangen zu regnen und sieht auch in den ersten Vormittagsstunden nicht danach aus, dass es bald aufhört. Ich sitze in einem Café und schaue auf den Hafen von Fisterra. Um acht Uhr hatte ich noch in der privaten Pilgerherberge für nur 3 € sehr gut gefrühstückt, mir auch bereits gleich ein Hotel ausgesucht, in dem ich für  zwei Nächte bleiben werde.        
Dann am 07.06.2011 mit dem Bus nach Santiago zurückfahren, dort noch einen Tag und eine Nacht abhängen, bis am späten Nachmittag des darauffolgenden Tages mein Flieger über Mallorca zurück nach Deutschland geht.

Was also anfangen mit dem Tag. Einmal mein Buch weiterlesen klar, dann ein wenig Pilger beobachten auch klar.
Viele bekannte Gesichter werde ich nun garantiert nicht mehr sehen. Komme ins Gespräch mit einem Pilger aus Nordfriesland, der mir bestätigt, dass mein Entschluss nicht nach Muxia zu gehen, richtig war.
Gegen Mittag  suche ich dann erneut das Hotel auf und beziehe mein Zimmer für zwei Nächte. Von meinem Rucksack befreit, kann ich nun unbesorgt auf die Suche nach einer Jakobsmuschel an den  Strand gehen und was zu essen besorgen. Jakobsmuschel im Original als Andenken mit nach Hause bringen, einfach Pflicht für einen Jakobspilger. Obwohl viele andere Pilger diesen Gedanken natürlich auch haben und am Strand suchen, werde ich doch schnell fündig und kann mir zwischen einigen Muscheln die schönste aussuchen. Treffe hier am Strand auch die beiden Pilgerinnen aus Brasilien wieder  und auch Thomas und Gabi sind noch im Ort. Wir stehen gerade zusammen, da kommt auch der Pilger aus Dänemark vorbei. Er macht einen sehr bedrückten Gesamteindruck. Die Mitpilgerin aus Weimar ist bereits weiter nach Muxia gewandert und damit aus seinem Gesichtsfeld verschwunden. Er hatte sich wohl mehr von der Begegnung mit ihr versprochen, als sie bereit war zu geben. Sei nicht traurig Junge. Das Leben geht weiter und Dänemark hat ja auch sehr schöne Mädels!

 

Beim Rückmarsch in die Innenstadt traf ich den Pilger aus Korea wieder. Ihm war ich einige Male auf dem Weg von Santiago nach Fisterra und auch an dem Abend am Kap begegnet. In unserem beiderseitigen unbeholfenen Englisch unterhielten wir uns fast eine halbe Stunde und ich erfuhr unter anderem von ihm, dass er nach seinem Jakobsweg noch viele Städte in Europa besuchen will. Barcelona, Lissabon, Rom, Wien, Heidelberg, Amsterdam, Paris und Krakau (Polen) seine weiteren Stationen auf unserem Kontinent, bevor er wieder in seine Heimat Süd- Korea zurück kehrt.
Dass sein Besuch in Deutschland nur die Stadt Heidelberg betrifft, bestätigte wieder, dass für Menschen aus Korea, Japan oder auch den USA Germany nur in Heidelberg zu finden ist!
Am zweiten „Gammeltag“ in Fisterra wieder Regen. Also von Café zu Café schleichen, Buch lesen und „Pilger- Schauen“.
Mit dem Bus um 11.45 Uhr fahren nun Thomas und Gabriele nach Santiago zurück und wollen dort einen Tag länger bleiben. Auch sie fliegen am 08.06.2011 nach Berlin, so dass wir uns in jedem Fall, wenn nicht in Santiago, dann aber spätestens am Flughafen noch einmal sehen werden.
Jetzt kenne ich hier nur noch flüchtig die „Krankenschwester“ aus Berlin, die genau wie ich nun ihre Zeit in Fisterra bis zum Abflug überbrückt.
 

 

 

            

In einem der zahlreichen Restaurants am Hafen gönne ich mir am letzten Tag ein besonderes Mittagessen, nach all den vielen Pommes-Menüs der vergangenen Pilgertage.
Fischsuppe Original Spanien
Jakobsmuschel, serviert auf einer Originalmuschel als Teller
Es war nicht ganz preiswert, aber lecker! Die Muschel durfte ich mitnehmen, oder sagen wir so: Der Kellner grinste sich nur einen, als er sah, dass ich die Muschel fein säuberlich in die Serviette wickelte. Dieses Prozedere wird er schon oft gesehen haben.

 

             

Da der Tag noch lang war und der Regen endlich aufhörte, entschloss ich mich, doch noch einmal zum Kap Finisterre zu wandern. Nach 300 m die Straße aufwärts vor mir ein kleines Hotel. Davor die fünf Pilger aus Stuttgart.Der Pilgerführer und die zwei Ehepaare sind also drei Tage nach mir auch in Fisterra angekommen. Kurzes Gespräch, einige Hinweise von mir, aber ich merkte wieder schnell, dass wir trotz der vielen Begegnungen auf unserem Camino nicht wirklich „miteinander warm“ werden und verabschiedete mich.
Am Kap dann nicht das erhoffte Fotowetter und deshalb nur einige Bilder gemacht und zurück in die Stadt.


 

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