Jakobsweg 2010 - Reisebericht - Teil 2

27.05.2010   Pilgertag 16
Fromista - Carrion de los Condes   19km

Meine Beobachtung der letzten Tage. Am Abend gibt es zwischen den Pilgergruppen, meistens innerhalb der einzelnen Nationalitäten, herzliche Kontakte. Aber sprachlich bedingt - Deutsche mit Deutschen. Italiener immer unter sich. Spanier sowieso und die englisch sprechenden Pilger, also Amerikaner, Menschen aus Canada und Neuseeland bilden die weitere Gruppe. Am Morgen startet aber fast jeder Pilger seine Tagestour alleine. Man findet sich bei den Pausen in den Cafes und an den Tages- Ziel- Herbergen. Ausnahmen bilden zum Beispiel eine italienische Großmutter, die mit ihrer Enkelin immer zusammen wandert und die ich oft in diesen Tagen treffe, oder die zwei schwerverständlichen Damen aus Bayern, von denen die ältere kaum noch laufen kann. Trotzdem sind die beiden immer vor uns in den Herbergen, aus mir inzwischen bekannten Gründen.

Viele Pilger kommen aus Korea. Dort gibt es auch den " Ich bin mal weg" Schub, so wie bei den Deutschen durch     
Hape Kerkeling.

Eine koreanische Pilgerin ist aus Liebeskummer den Camino nach Santiago de Compostela gewandert und hat zu Hause ein erfolgreiches Buch über diesen Lebensabschnitt geschrieben.
Nun wollen auch viele ihrer Landsleute den Camino ausprobieren.

Hape Kerkeling ist ja bereit 2001 gewandert und hat durch sein Buch eine deutsche Pilgerwelle ausgelöst. Ich finde, dass diese Welle im Jahr 2010 so langsam ausläuft. Es sind zum Beispiel weit aus mehr Franzosen als deutsche Pilger hier unterwegs.
 

Heute von Fromista startend marschiere ich den Jakobsweg in Richtung Villalcalzar de Sirga. In meinem Pilgerführer habe ich gelesen, dass man unbedingt die Kirche Santa Maria la Blanca aus dem 13. Jahrhundert nicht nur von außen, sondern auch das Innere besichtigen sollte. Dieser Ort bietet sich förmlich für eine längere Zwischenpause an. Überall Cafes und es wimmelt von Pilgern. In der Kirche hole ich mir ausnahmsweise auch einmal einen Stempel von einer Zwischenstation auf meinem Camino. Ansonsten lasse ich meinen Pilgerausweis immer nur in den Herbergen abstempeln.

In der Kirche vor dem Altar knieten zwei Pilgerinnen, Mitte 30, tief im Gebet versunken. Bisher hatte ich so eine tiefe Gläubigkeit noch nicht beobachten können und es beeindruckte mich doch sehr.
Diese Pilgerinnen gingen auch immer zusammen. Später lernte ich sie bei einem gemeinsamen Pilgermenü kennen. Sie saßen mir an einem riesigen mit 20 Pilgern besetzten Tisch gegenüber und wir kamen ins Gespräch.
Sie waren aus der Schweiz. Seit Anfang März unterwegs, zu Fuß in Genf gestartet, wollen Sie noch bis Santiago und weiter an das Ende der Alten Welt - Fistera pilgern. Was für eine Leistung und unsereins jammert täglich über Fußsohlen- Brennen.

Nach der Kirchenbesichtigung setze ich mich auf eine Steinbank am Fuße des Gotteshauses, mal wieder die Beine hoch, meine Tagesration Bananen und Orangen
werden eingeschoben. Auf der Nachbarbank zwei ältere Pilger. ich dachte aus Spanien. massierten ihre schmerzenden Füße. Geht also nicht nur mir so mit den Fußsohlen!
Wir kommen ins Gespräch. "Brocken- Englisch" auf beiden Gesprächsseiten und mit Hilfe der Körpersprache wurde es richtig lustig zwischen uns.

Diesen beiden humorigen Pilger- Herren begegnete ich in den kommenden Tagen immer wieder und ich begriff dann auch, dass es keine Spanier, sondern Italiener waren. Der eine hatte, statt Pilgerstab, einen großen Regenschirm mit und es sah immer lustig aus, wenn er diesen als Wanderhilfe einsetzte.
 

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