Jakobsweg 2010 - Tag 1 - Teil 1

12.05.2010 Pilgertag 1 -
Saint Jean Pied de Port – Roncesvalles     28 km

Heute wird es Ernst. Der Himmel sehr bedeckt und am Morgen sieht es nach Regen und Kälte aus. Meine ursprüngliche Planung, die ersten Tage nur so an die 10 km pro Tag zu laufen und mich dann langsam zu steigern, wird bereits am Pilgertag 1 als ad absurdum geführt. Ich durchschreite das Tor " Port d Espagne", meine Pilgerreise beginnt. Noch nicht einmal aus dem Ort heraus, bin ich schon durchgeschwitzt. Unterhemd, T-Shirt, Pullover und Jacke, dann der nun mit Wasser und Verpflegung zusätzlich noch erschwerte ungewohnte Rucksack auf dem Rücken. Pause nach gerade mal  2 km. Der Weg, noch auf Asphalt, immer steil nach oben. Habe mich völlig falsch angezogen, umziehen, weiter raus aus dem Ort, vorbei an ersten Bauernhöfen- vor mir das beginnende Gebirge.

Sehr viele Pilger überholen mich bereits, da ich immer wieder stehen bleibe, um zu verschnaufen.
Erste Zweifel, was machst du hier eigentlich?

Schaffe immer mal so an die 100 m zu laufen, dann stehen bleiben, kurze Pause, dann wieder 100 m.

Der Weg ist für mich "untrainierten Flachländer" einfach zu steil. Fange an mächtig zu keuchen und kann mich eben noch an einem Eingangspfeiler einer Toreinfahrt festhalten, da der Rucksack versucht mich nach hinten umzureißen. Zwei vor mir gehende Frauen drohen ebenfalls jeden Moment umzukippen.

Da bin ich aber beruhigt. Bin hier nicht die einzige "Schlappwurst." Der Weg fordert gleich alles.

Jetzt wo ich öfter stehen bleibe, mich kurz auf dem Wanderstock abstütze, ausatmen, einatmen, Herzfrequenz runterfahren und dann die nächsten 100 -200 m weiter, geht es besser. Nun überhole ich sogar, trotz der vielen Pausen, andere Pilger, die vorher im Eiltempo an mir vorbeigerauscht waren und nun schwächeln.

Die ersten einfach am Wegesrand weggeworfenen Jacken und Pullover signalisieren mir, das wird noch interessant heute.
Dabei habe ich erst 7 km geschafft und Roncesvalles liegt weit hinter dem vor mir liegenden Gebirge.

 

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