Jakobsweg 2010 - Tag 12

23.05.2010 Pilgertag 12
San Juan de Ortega – Burgos          29 km

Der Zustand meines rechten Unterschenkels hat sich nicht verschlechtert. Das Abbinden mittels Kompressionsbinde bringt also definitiv was. Ich merke das positiv beim Laufen und am Abend ist das Bein nicht angeschwollen. Nach Verlassen des Kloster San Juan de Ortega geht es erst einmal gerade durch einen sehr schönen Wald und dann wieder steigend in Richtung der Hochebene Ages. Die zwei Kilometer bis zum großen Holzkreuz sind wieder extrem steinig und man muss jeden Schritt vorwärts bedenken.

Bis Burgos sind es heute wieder fast 30 km und nach Info erfahrener Pilger sollen die Stadtkilometer vom Flugplatz Burgos bis zur zentral gelegenen Kathedrale sehr langweilig und stressig sein, da es immer nur geradeaus und durch viele Industriegebiete geht. Ich gehe den gesamten Tag alleine, da ich keinen der anderen mir bekannten Pilger
unterwegs treffe.

Der Flugplatz von Burgos ist erreicht und tatsächlich liegen nun noch 18 beschwerliche Stadtpflaster - Kilometer vor mir.

Die im Pilgerbuch empfohlene Alternativstrecke immer am Fluss lang, verpasse ich und so ist es dann tatsächlich, gehen nur geradeaus. Immer auf gepflasterten Gehwegen, durch endlose Industriegebiete und Wohnsiedlungen bis in das Zentrum. Vor oder immer hinter mir eine japanische Pilgerin. Ihr geht es körperlich genau so wie mir. Jede Bank auf dem Weg wird zur kurzen Pause genutzt. Beine hochlegen und was trinken.

Die Hitze ist auf den Wegen in freier Natur schon hart, aber nun in der Stadt furchtbar.
Das ist heute für mich grenz- wertig! Endlich stehe ich vor der Kathedrale von Burgos. Die Innenstadt, der Plaza Mayor, das Denkmal von El Cid waren mir ja von meiner Motorradtour 2007 bereits bekannt und deshalb gab es nur ein Ziel.
Um zur Herberge in unmittelbarer Nähe der Kathedrale zu kommen, mussten noch einmal viele Treppenstufen überwunden werden. Ich bekam kaum noch die Füße hoch.

Dafür war dann die Herberge ein Volltreffer.

Diese modern eingerichtete Pilgerherberge in Burgos war einfach Klasse. Der Preis nur 4 € für eine Übernachtung. Die Unterkunftsräume über 4 Etagen mit jeweils separaten Dusch und WC Räumen.

Hier herrschte Hochbetrieb.

Pilger aller Nationen, ein ständiges Kommen und Gehen.
Nach meiner obligatorischen halben Stunde Pause, - rauf aufs Bett, Beine hochlegen, damit der brennende Schmerz der Fußsohlen nachlässt - gehe ich auf die Straße. Hier treffe ich sie alle wieder: Dieter, Gerald, den Architekten aus Schleswig Holstein, den Professore aus Venedig und sein Freund Alfredo, den kleinen italienischen Querläufer von gestern und selbstverständlich Mönch Tack mit seinen drei Nonnen. Unterwegs auf dem Camino habe ich ihn leider wieder nicht gesehen, um endlich zu meinem Foto zu kommen.

Beim abendlichen Pilgermenü waren wir dann sieben deutsche Pilger und Pilgerinnen am Tisch. Unter anderem die zwei Damen des ersten Tages meiner Reise, die auch fast neben mir vor Anstrengung zusammengebrochen waren. Nun lernte ich sie mal näher kennen, leider verstand ich so gut wie kein Wort, wenn sie sprachen. Beide hatten einen extrem bayrischen Dialekt und bemühten sich in keiner Weise ein wenig " Deutscher" zu reden!
Auch die Pilgerin aus Österreich, Anfang 60, wir waren uns in den vergangenen Tagen oft bei der Wanderung begegnet, jetzt am Tisch. Sie sprach sehr leise, so dass auch bei ihr volle Konzentration erforderlich war sie zu verstehen.

Auf jeden Fall wurde es wieder lustig in der Pilgergemeinschaft.
  

 

 

 

Weiter zum nächsten Teil des Reiseberichtes 

 


top