Jakobsweg 2010 - Tag 17

 28.05.2010      Pilgertag 17
Carrion de los Condes -Terradillos de los Temlarios       26 km 

Wie erwartet, war Johann bereits früher als ich in Gange und losgegangen, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen war.

Also Rucksack auf und abmarschiert. Schon seit Burgos ist mein rechter Wanderschuh zwischen Sohle und Oberleder aufgerissen und ich befürchte, dass nicht ich, sondern meine Schuhe es nicht bis Santiago schaffen werden.
Aus meiner Erfahrung zu Hause mit den neuen Schuhen, die ich mir extra noch für den Jakobsweg gekauft hatte und dann beim ersten Einlaufen beide Hacken wundgelaufen habe, wollte ich auf keinen Fall hier mit neuen Schuhen weitergehen. Also hoffentlich finde ich in den kommenden Tagen einen guten Schuhmacher.  Es geht heute nur schnurgerade aus über flaches Land.                  

Die Abstände zwischen den Pilgern sind sehr groß, so dass man oft ganz alleine unterwegs ist. Schon von weitem sehe ich vor mir die eine der drei Pilger - Ladys, heute auch alleine unterwegs. Als wir uns begegnen und ich mit dem üblichen BUEN CAMINO grüße, antwortet Sie mir mit „HALLO WOOLFGAANG“. Überrascht, dass sie meinen Vornamen kannte, obwohl wir uns bisher noch nicht einander vorgestellt hatten, kam nun ein nettes Gespräch zwischen uns zustande. Sie heißt Susan und kommt aus Canada. Ist von Beruf Lehrerin für englische Sprache.
Die beiden anderen Damen fahren heute mit dem Bus zur nächsten Herberge, während sie eisern immer läuft und auch ihren Rucksack selber trägt..  

Nachdem ich sie fotografierte, erzählte sie mir, dass bei der Anreise nach Europa ihr Fotoapparat gestohlen wurde und ob ich ihr meine Bilder von dieser Pilgerreise senden könnte. Kein Problem. Wir tauschten unsere Mailadressen und ich versprach ihr die besten Bilder per Mail zu schicken.

Nun erfuhr ich auch die Namen der anderen Pilgerinnen. Die zweite hieß Bari, auch aus Canada und die dritte Lady war Jo aus Glasgow, Schottland und den Vornamen von "MönchTack", Christopher, kannte ich ja bereits.
Alle haben sich auch erst auf dem Camino kennen gelernt.    Meine Story vom Mönch Tack und seinen drei amerikanischen Nonnen also nur Fantasie!                                   

In Terradillos de los Templarios, nach 26 km angekommen, ließ ich die erste Herberge am Ortseingang links liegen und ging noch zur zweiten im Ortszentrum.

Hier traf ich gleich Johann wieder und lernte Michael, einen Pilger aus Hamburg kennen. Beide sind zeitweise schon gemeinsam gelaufen und wollen morgen in Sahagun auf Uta warten. Mit ihr waren sie in den letzten Tagen unterwegs. Uta bekam aber Probleme mit ihren Beinen und musste pausieren, will Morgen aber wieder auf schließen.
Das Wetter war herrlich und wir verbrachten Stunden auf der Dachterrasse der Herberge bei üblichem Pilgertratsch und gekühltem Bier.

Es war schon interessant, wie alle den "Einen oder Anderen" bereits kannten vom Weg und die jeweiligen Eigenarten oder Charaktere einzelner Pilger auswerteten.

Michael geht dieses Jahr bereits das dritte Mal den Pilgerweg nach Santiago de Compostela.
Dieser Weg scheint doch bei einigen Menschen was Besonderes auszulösen!   

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