Jakobsweg 2010 - Tag 19

30.05.2010       Pilgertag 19                                                          
Calzadilla de los Hermanillos - Mansilla de las Mulas   25 km

Der gestrige Fernsehabend wurde noch laut, lustig und leider auch bierselig. Der Gastraum voll mit spanischen Dorfbewohnern und deutschen Pilgern.

Lena hat gewonnen und die Stimmung auf der deutschen Seite entsprechend, bei jeder Punktvergabe ging es hoch her. Die Spanier wurden immer leiser und an unserem Tisch lauter. Nur die Herbergschefin konnte ihr Tanzwutbedürfnis nicht zügeln und wollte unbedingt mit einem deutschen Pilger das Tanzbein schwingen. Gott sei Dank war ich nicht ihr Typ,

Das Tanzopfer musste mein Zimmerkompagnon geben. Er machte aber seine Sache zur Erheiterung aller und Förderung deutsch - spanischen Freundschaft sehr gut. Da die Herbergen um 22 Uhr verschlossen werden, brachte die Chefin uns dann um ca. 1 Uhr persönlich bis zur Tür, um aufzuschließen. Ich wachte erst gegen 8 Uhr auf. Mein Zimmernachbar war längst weg und es standen nur noch ein Paar Wanderschuhe auf dem Treppenpodest, meine. Alle Pilger waren weiter gezogen. Heute kommen also zu meinen gewohnten Fußschmerzen noch Kopfschmerzen vom vielen Bier dazu. Also auf, ohne Frühstück und Kaffee, an die frische Luft.                    

Die Pilgerkarawane zieht weiter. Will von Calzadilla bis Reliegos nur die 18,5 km laufen. Mein Pilgerführer warnt, keine Wasserstelle auf der gesamten Strecke. Als Ersatz für das fehlende Frühstück kräftig Wasser getrunken und meine 1,5 l Flasche aufgefüllt mit Leitungswasser. Wieder diese Hitze und immer nur gerade aus, keine Abwechslung links oder rechts des Weges. Dafür fiese kleinen und größeren Steine, die spürbar durch die Schuhsohlen drücken. Als Krönung des Tages verpasse ich meinen Tageszielort, weil ich mich auf die gelben Pfeile verlasse und nicht merke, dass das Dorf links ca. 1 km entfernt Reliegos ist und muss nun noch sieben km bis Mansilla de las Mulas weitergehen.

Dann sind Herberge eins und zwei alle schon voll belegt, also wieder Stress, heute Nacht auf der Straße übernachten zu müssen. Treffe auf Klaus , Werner und sehe auch Gerald, keiner kann mir einen Tipp geben, wo man noch übernachten könnte. Es bleibt mir nichts übrig, einfach noch mal die Straßen und Gassen des kleinen Ortes abzusuchen.              

Da sehe ich vor mir einen Pilger zielgerichtet auf ein Gebäude zugehen und laufe ihm einfach hinterher. Der Zufall führt mich in eine Pilgerherberge der Spitzenklasse. Modern eingerichtet und mit Restaurant und Cafe ausgestattet. Sehr schöner Garten mit Sonnenschirmen an den Tischen und Stühlen. Nach so einem Tag lässt es sich hier gut aushalten. Dann treffe ich auch Christopher, Susan und Jo hier wieder, trinke ein Bier mit zwei Holländern an meinem Tisch und unterhalte mich lange mit ihnen. Die beiden Herren in meinem Alter sind mit Fahrrädern auf dem Jakobsweg unterwegs und fahren so täglich an die 100 km, was bei dieser Hitze sicher auch eine Riesenleistung ist. Ein Denkmal, auf dem der Herberge angrenzenden Platz, zeigt sehr deutlich, wie es den vielen Pilgern auf dem Camino so geht und welche innere Kraft aufgewendet werden muss, täglich immer weiter, immer weiter bis Santiago. Das große Ziel aller Pilger !
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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