Jakobsweg 2010 - Tag 21

02.06.2010     Pilgertag 21
Leon - Villadangos del Paramo 22 km

Der eine Ruhetag war gut für mich und wie erwartet sehe ich neue Pilgergesichter auf dem Weg. Leider überwiegen nun Spanier und Italiener.

Es fällt auf, dass die Pilger aus Spanien unterwegs sehr laut sind. Ob zu zweit oder in Gruppe. Man sieht noch keinen hinter sich, aber kann sie schon von weitem hören. Ein ununterbrochener Redeschwall, dem man nur entgehen  kann, wenn man stehen bleibt und pausiert, bis diese Pilger sich weit genug entfernt haben. Die Krönung war für mich beim Wandern durch ein langgezogenes Waldstück den fünf spanischen Sonntagspilgerinnen zu begegnen.                                                

Sie liefen lange hinter mir, bis ihr gemeinsamer gegenseitiger Redeschwall mich zu einer Pause zwang. Lasse sie vorbei. Alle hatten nur Handtäschchen oder kleine Rucksäcke auf dem Rücken und als sie an mir vorbeizogen, konnte ich sehen und hören. Alle fünf redeten gleichzeitig und ununterbrochen aufeinander ein. Ich fragte mich, ob die spanische Sprache so was zulässt. Reden und gleichzeitig zuhören.                             

Wer stellt hier eine Frage und wer antwortet?                                          

Da die Damen aber auch immer wieder ihre „Päuschen“ machten, hatte ich das Vergnügen der Begegnung über viele Kilometer.           

Leon war schnell verlassen. Es war zwar wolkenloser Himmel, aber nicht ganz so arg warm wie in den letzten Tagen.                  

Gegen Nachmittag fing es sogar an, sich zu bewölken und ich war froh, die Herberge in Villadangos del Paramo erreicht zu haben, da schlagartig ein Starkregen begann. So schnell wie es begann, so schnell endete der Schauer auch und was folgte, war ein Regenbogen der Extraklasse, den man gut von der Herberge aus beobachten und fotografieren konnte.

Keine deutschen Pilger in dieser Herberge, höre nur ein Sprachengewirr spanisch und italienisch. Es kommt ein schlaksiger über zwei Meter großer junger Mann in den Vorraum der Herberge und begrüßt mich auf Deutsch. Punkfrisur und über den Wanderhosen ein großes Tuch am Gürtel befestigt, so nach asiatischer Art. Wir setzten uns auf ein Ledersofa und quatschten. Der junge Pilger war 20 Jahre alt und kam aus Jena. Er beklagte sich, dass ihm auf dem Camino nur ältere Pilger begegnen und er langsam die Schnauze voll hat, da er auch einmal         " Seinesgleichen" begegnen möchte.                                                    

Uns gegenüber saß eine blonde Pilgerin. Sie hatte vor einer halben Stunde das obere Bett über meiner Schlafgelegenheit bezogen und schrieb jetzt, ohne einmal aufzublicken, in ihr Pilgertagebuch. Ich merkte aber, sie hört auch so nebenbei dem Gespräch zwischen mir und dem Punker zu. Zu einem Gespräch zwischen uns kam es aber heute noch nicht.                                       

Sie gehörte auch zu den früh ins Bett gehenden Pilgern und war um acht Uhr verschwunden.
 

 

 

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