Jakobsweg 2010 - Tag 22

03.06.2010  Pilgertag 22
Villadangos del Paramo - Astorga  31km

Obwohl ich sehr früh heute in Gang komme, sind die meisten Pilger bereits wieder unterwegs.
Nach dem Überqueren einer imposanten Steinbrücke aus der Römerzeit ist wieder Zeit für eine Füße- Hoch- Pause in Hospital de Orbigo. Ein Ort voll auf Pilger eingestellt. Viele Hostel, Hotels und Pilgerherbergen am Fluss. Die meisten Gebäude liebevoll renoviert. Die Stadt hat das Flair des Mittelalters. Hier werden auch traditionell einmal im Jahr Mittelalterspiele durchgeführt. Man sieht überall die Werbeplakate für dieses Ereignis.

Auf einer Bank unter schönen Bäumen, direkt vor der Kirche lasse ich mich nieder.

Auf der anderen Straßenseite kommen die beiden Pilgerinnen aus Bayern vorbei. Die Ältere kann kaum noch gehen und da ich diese Frau nun schon viele Tage in diesem Zustand treffe, frage ich mich, wie schafft die es trotzdem pro Tag über 20 km vorwärts zu kommen. Denn beide sind ja auch am 12.05.2010, so wie ich in Saint Jean Pied de Port, gestartet.

Plötzlich gesellt sich Moni zu mir auf die Bank. Wir hatten uns aus den Augen verloren und schon lange nicht mehr gesehen. Entsprechend herzlich war die Begrüßung. Da sie genau so überrascht war, mich überhaupt noch einmal zu sehen, wie der Pilger- Papa und seine Tochter aus Belgien, als die mich in Leon vor der Kathedrale trafen, hakte ich nach, warum sie so überrascht wäre und erfuhr nun das zweite Mal, dass ich eigentlich schon zu Hause in Deutschland sitzen müsste, da ich ja wohl ins Krankenhaus musste und die Pilgerreise abgebrochen habe.

Von Moni erfuhr ich dann auch den Namen des Pilger- Gerücht - Verursachers.

Vom Platz, auf dem das Wegekreuz Santo Toribio aufgestellt ist, hat man einen herrlichen Panoramablick auf Astorga.
Am Kreuz komme ich mit einem deutschen Pilger ins Gespräch. Der Mann, so Mitte sechzig, wohnt seit 40 Jahren in Mexiko - Stadt und das Gespräch mit ihm ist sehr interessant. Er gehört zu den trainierten Pilgern. Läuft manchmal 40- 50 km am Tag und durch seine langen Jahre in Mexiko scheint ihm die spanische Hitze auch nichts auszumachen. Wir haben uns leider nie wieder gesehen. Der Mann war einfach zu schnell unterwegs. Obwohl die Stadt förmlich vor einem liegt, braucht der Abstieg noch sehr viel Kraft. Bei einer Tagesetappe von 31 km hat sich die letzten 5 km wieder der unerträgliche Fußsohlenschmerz eingestellt. Ich bin nun über drei Wochen auf dem Camino, immer in der Hoffnung meine Füße gewöhnen sich endlich an die täglichen Kilometer.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich bis Santiago das Brennen der Fußsolen und den Druckschmerz an beiden großen Zehen einfach aushalten muss. Komischerweise habe ich noch keine einzige Blase an den Füßen, so wie bei anderen Pilgern, die schon viele Blasenpflaster verbraucht haben.

Die Innenstadt von Astorga ist sehr schön auf einem Hügel gelegen. Der von Gaudi erschaffene Bischofspalast, daneben die imposante Kathedrale mit seinem Eingang voller Figuren.

Ich finde einen Schlafplatz in einem 300 Jahre alten restaurierten Adelshaus mit Blick auf die Kathedrale. Hier treffe ich erneut auf Johann aus Bielefeld. Diesem Schnell- Wanderer wurden hier auch seine Grenzen aufgezeichnet. Johann ist seit zwei Tagen in Astorga und muss sein Magenleiden auskurieren. Ihm ist irgend etwas vom Essen nicht bekommen und jede Toilette unterwegs war ein Rettungsort. Der spanische Arzt hat ihm das literweise Trinken von Aquarius empfohlen. Dieser spanische Iso- Drink, den es hier überall zu kaufen gibt und von dem auch ich jeden Tag ein bis zwei Dosen trinke. Mir schmeckt das Zeug einfach bei dieser Hitze und nun kann ich mir ja auch einbilden, da ich bis her noch keine Magenprobleme hatte, liegt das garantiert an Aquarius. Aber eher glaube ich, dass Johann sich mit seinen täglich mehr als 30 km übernommen hat und es einfach auch ihn an seine Leistungsgrenzen gebracht hat.
 

 

 

 

 

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