Jakobsweg 2010 - Tag 24

05.06.2010  Pilgertag 24
Rabanal del Camino - Riego de Ambros   21 km

Nach 6 km, erst noch an einer schönen Pilgerquelle vorbei, erreiche ich den Ort Foncebadon. Bis zum Jahre 2000 war dieser Ort von allen Einwohnern verlassen. Erst in den letzten Jahren bauen wieder einige Spanier die völlig verfallenen Häuser auf und es gibt auch ein Pilgercafe für meine erste heutige Pause.

Vorbei marschiert auch der schweigsame deutsche Pilger von gestern Abend, ohne einen Blick auf die rastenden Pilger auf den Stühlen an den Tischen des Cafes zu werfen. Auch meine lustigen italienischen Pilgerkumpel verweilen einige Minuten.

Der Pilgerweg wieder extrem ansteigend und steinig, geht es bis auf 1504 m hoch bis zum Cruz de Ferro ( Eisenkreuz), einer der wichtigsten Pilgerpunkte auf dem Weg nach Santiago de Compostela.
Schon von weitem sehe ich das Eisenkreuz auf dem 5 m hohen Eichenstamm, der sich auf einem gewaltigen Steinhaufen erhebt. Über 1000 Jahre haben hier die Pilger ihre persönlichen Steine abgelegt und so diesen markanten Punkt geschaffen.

Auch für mich ist das jetzt ein bewegender Moment. Hatte ich zu Hause noch davon geträumt, es zu Fuß bis an diesen Ort zu schaffen, ist es nun erreicht.

Um die 580 km bin ich bisher den Jakobsweg gelaufen. Noch 230 km bis zum Ziel aller Pilger,Santiago de Compostela, liegen vor mir.

Zu Hause hatte ich an unserem Einfamilienhaus einen sogenannten Hühnergott gefunden, diesen mit einem Metallring an meinem Rucksack befestigt und den Wunsch gehabt, diesen Stein am Cruz de Ferro abzulegen. Geschafft, den Steinhaufen hochgeklettert und den Stein direkt am Eichenstamm befestigt. War schon ein innerer Stolz, der mich noch einige Minuten am Kreuz verweilen ließ und über den bisherigen Weg von Saint Jean Pied de Port bis hierher nachzudenken. Was hat mir dieser Weg gegeben, werde ich es bis Santiago schaffen und welche sogenannten Lasten des Lebens will ich symbolisch mit dem Ablegen meines Steines hinter mir lassen?
Nach weiteren 3 km erreiche ich den Einsiedler - Punkt Manjarin. Hier ist ein brasilianischer Pilger mit Namen Tomas 1993 auf seinem Weg nach Santiago geblieben und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, vorbeiziehende Pilger, ganz in der Tradition der Tempelritter, zu versorgen. Leider ist dieser gute Vorsatz inzwischen etwas verkommen, denn man hat den Eindruck, hier gibt es nur Pilger - Nepp und es wird abkassiert.

Am Nachmittag wurde der Weg sehr anspruchsvoll. Der Jakobsweg steinig, viele Steigungen und Abstiege, die alles verlangten. Dafür wunderschöne Ausblicke auf die teilweise noch mit Schnee bedeckten Gebirgszüge. Bis zum kleinen Dorf El Acebo geht es steil bergab und man muss aufpassen nicht auszurutschen.

Dort noch einmal Aquarius in einem Cafe am Ortseingang getrunken und die letzten Tageskilometer bis Riego de Ambros auf einer Asphaltstraße abgewandert. Die Herberge direkt an der Dorfkirche sehr klein. Die meisten Pilger gehen noch die 5 km bis zum kommenden Ort. Mir reicht es. Der Ort ist zwar sehr klein, es gibt keine Einkaufsmöglichkeit, aber ein Hotel, wo man auch ein Pilgermenü bekommt. Die Betten in der Pilgerherberge sind immer jeweils in Viererabteilungen durch Pappwände abgegrenzt. Ich habe Glück und beziehe alleine ein Abteil.

Lästig werden nur die drei Österreicher.

Eine Pilgerin redet ununterbrochen und dermaßen dominant auf ihren männlichen Begleiter und die jüngere Pilgerin ein. Ich ergreife die Flucht und gehe in den kleinen Innenhof der Anlage. Hier sitzen noch drei spanische Damen und verarzten ihre wunden Füße. Ich komme vom "Regen in die Traufe", da diese Pilgerinnen noch mehr und sehr laut ununterbrochen quatschen. Ich will jetzt einfach meine Ruhe nach diesem anstrengenden Tag und flüchte in den Ort. Gehe zur Kirche und den angrenzenden Friedhof , dann auf die Terrasse des einzigen Hotels des Ortes und hier kann ich, bei einem kühlen Bier, einige Minuten Ruhe finden, bis eine spanische Großfamilie einkehrt und das Palaver wieder los geht.

 

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