Jakobsweg 2010 - Tag 29

10.06.2010        Pilgertag 29
Sarria - Portomarin                23 km

Der dritte Tag mit ständigem Regen.
Aber ich muss sagen, dass mir das Wandern wesentlich leichter fällt als in den Hitzetagen. Der Regen bringt beim Laufen Kühlung, auch wenn meine Schuhe das erste Mal von innen nass werden.
Das Streckenprofil ist teilweise sehr anspruchsvoll. Ein ständiges Hoch und Runter, viele kaum noch als Weg erkennbare Abschnitte und Belag aus Natursteinen noch aus der Römerzeit. Durch den vielen Regen der letzten Tage sind ganze Passagen schlammig oder stehen unter Wasser.

An einem Abschnitt versinkt man tief im Schlamm. Die Fahrradfahrer müssen absteigen und ihre Räder tragen. Ich helfe einem Radfahrer sein Fahrrad hoch zu schieben, da der Mann droht umzukippen vor Anstrengung. Diese Wege mit dem Fahrrad überhaupt zu befahren, halte ich für sehr gefährlich. Der Pilgerpfad ist streckenweise gerade mal einen Meter breit, flankiert von großen Bäumen und Wildsträuchern, kurvenreich und oft sehr steil und durch die Nässe rutschig. Hier legt sich so mancher Pilger heute in den Dreck. Ohne Wanderstock wäre man hilflos und ich bin so manches Mal froh ihn zu haben.

Die Dörfer sind sehr abgelegen und viele Häuser leer dem Verfall preisgegeben. Eine Gegend, aus der die Jugend auch abwandert. Wenn man überhaupt Einheimische trifft, dann sind das Alte oder einige Bauern, die ihre Felder mit altem Gerät oder Werkzeug bewirtschaften, dass man sich ins Mittelalter zurückversetzt fühlt.

Mir fällt auf, dass einige Pilger bei Begegnungen mit den auf den Feldern arbeitenden Bauern oft grußlos an diese vorbeigehen. Dann werden diese Pilger auch völlig ignoriert. Man ist ja an die vielen fremden Menschen mit Rucksack gewöhnt. Ich grüße beim Vorbeigehen laut mit einem "Hallo" oder "Buenos Dias" und bekomme immer einen freundlichen Gruß zurück. Lustig war die Begegnung mit einem auf der schmutzigen Dorfstraße in Gummistiefeln stehenden Bauern. Er sah mich kommen, lächelte mich nach meinem Gruß an und strich sich mit der einen Hand immer an sein Kinn und deutete mit der anderen Hand auf mich. Ich verstand sofort, was er mit dieser Handbewegung meinte.

Seine Frage ohne Worte war, ob ich schon sehr lange unterwegs bin, da mein Bart so üppig sei. Ich blieb stehen und erklärte kurz.

France - Santiago. Ich verstand zwar seine Antwort nicht, war mir aber sicher, dass er mir einen guten Weg bis Santiago wünschte.

Weniger angenehm waren die vielen Kuhfladen auf den Dorfstraßen. Die Kühe wurden jeden Morgen aus den Ställen auf die Weiden getrieben und verteilten alle ihre Hinterlassenschaften. Der Pilger musste oft Slalom laufen, um der bei diesem Regen entgegen kommenden " Scheiße" auszuweichen. Alles verunreinigte Wasser fließt in die Gräben, Bäche und Flüsse. Hier sollte man wirklich nie Wasser aus den Flüssen trinken.

 

 

 

       

Weiter zum nächsten Teil des Reiseberichtes 


top